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Gemeinsam schreiben – Schreibenergie nutzen

Gesenkte Köpfe, Rascheln von Papier. Die Teilnehmenden haben sich ihrer inneren Gedankenwelt zugewendet. Und es passiert etwas Kostbares, anders als beim Allein-vor-sich-Hinschreiben.

denkanstoß 1/2017: schreibenergie in der gruppe als pdf lesen

Wenn Schreibende gemeinsam mit anderen in einem Raum schreiben, so arbeitet zwar jeder an seinem eigenen Text, dennoch ist eine Verbindung da. Und gerade diese kann für den Schreibflow sorgen, den viele sich für ihren Schreiballtag so sehnlich wünschen.

Schreibflow

Schreibflow, damit meine ich ein flüssiges, inspiriertes Schreiben mit Freude; man geht im Tun auf, arbeitet engagiert, schreibt mit erhitzten Wangen.

Ich erlebe diese besondere Atmosphäre jedes Mal, wenn ich Vortrags- oder Seminarteilnehmende zum Schreibdenken angeleitet habe. Sie entsteht, wenn Menschen gemeinsam schreiben, und ich nenne sie „Schreibenergie in der Gruppe“. Folgendes passiert:

Wie Schreibenergie in der Gruppe entsteht

Nachdem ich eine Schreibaufgabe gestellt habe, wird es still. Die Ohren können „aufatmen“. NIemand besetzt das Gehör oder fesselt die Blicke. Schon allein das hilft, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Nun können Gedanken nach vorn treten, die zuvor noch diffus waren. Und bevor der erste Zerstreuungsimpuls  auftaucht, ist da die Kraft der Gruppe mit einer „milden sozialen Kontrolle“. So mancher würde wohl gerne rasch ins Smartphone schauen, nebenbei eine E-Mail lesen, Facebook checken. Aber das geht jetzt nicht. Der Blick in die Runde zeigt: alle anderen schreiben. Das steckt an. Und so führt die Schreibenergie über die alltägliche Unkonzentriertheit hinaus in eine verdichtete Stille und dabei in tiefere Denkschichten. In dieser Versenkung wird das Denken neu, kreativ, sogar mal genial. Wie kostbar!

3 Vorschläge für mehr Schreibenergie

Hier sind meine drei Ideen für Sie, um diese Schreibenergie zu nutzen:

Kreative, belebte Orte aufsuchen. Bestimmte Cafés haben einen ruhigeren Raum, den auch schon andere fürs Schreiben und Arbeiten entdeckt haben. Oder eine schöne Bibliothek. Auch Bahnreisen sind bei vielen Schreibenden äußerst beliebt für kreatives Arbeiten.

Sich zum Schreiben verabreden mit ausgewählten Menschen, die auch schreiben wollen – mit strengen Regeln für die Schreibzeiten: Nicht reden, nicht surfen, nichts anderes tun außer Schreiben.

Eine Schreibkultur am gemeinsamen Arbeitsplatz etablieren. Viele Wissensarbeiter schreiben 70, 80, sogar 90 Prozent ihrer Arbeitszeit. Zugleich berichten sie, dass im Kollegenkreis keine Rücksichtnahme existiert, wenn jemand schreibt: „Du schreibst gerade? – Ach, dann kann ich dich ja mal was fragen…“ Meist leiden alle darunter. Das kann man gemeinsam ändern.

Fazit

Schreiben ist enorm störanfällig und Schreibende lassen sich leicht ablenken. Eine gute Schreibenergie in der Gruppe kann anstecken und hilft. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.

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