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Die Lesenden führen

Sie gewinnen, halten und begeistern Ihre Leser erst, wenn Sie sie an die Hand nehmen und ihnen Ihren Text erklären. 

Von einem Abschnitt zum folgenden, von einem Kapitel zum nächsten: Führen Sie Ihre Lesenden dezent, charmant oder entschieden durch Ihren Text. So werden sie Leser neugierig und sind zum Weiterlesen motiviert.

Unsere Lesegewohnheiten verändern sich

Warum wird Leserführung immer wichtiger? Sie können heute nicht mehr davon ausgehen, dass Ihr Text von Anfang bis Ende gelesen wird. Denn unsere Denk- und Lesegewohnheiten verändern sich drastisch durch unsere Surfbewegungen im Internet: Wir alle haben uns daran gewöhnt, in Sekundenschnelle über Links woanders hin zu springen, wir steigen mittendrin ein und aus und vergessen schneller als früher, was wir gerade gelesen haben. Der in vielen Studien nachgewiesene Effekt: Wir können zwar kurze Leseeinheiten und Bilder immer schneller aufnehmen, doch Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit nehmen ab. Was tun?

Wie Sie Ihre Lesenden führen

Werben Sie ständig neu um die Aufmerksamkeit für Ihren Text, indem Sie den Bezug zum Gesamten und zur Fragestellung herstellen, zusammenfassen, schlussfolgern, Einwände nennen, durch Ausblicke zum Weiterlesen motivieren, den eigenen Denkprozess offenlegen, das weitere Vorgehen im Text erklären und durch rhetorische Fragen neugierig machen. Etwa mit folgenden Formulierungen:

Formulierungsbeispiele

„Bisher ging es um die Frage…, nun sehen wir uns genauer an, wie…“
„Sehen Sie, was die Selbstoptimierung bei uns bewirkt?“
„Ich frage mich selbst immer wieder, wie das gelingen kann.“

Gliederungswörter

Wichtig sind auch Gliederungswörter: Damit leiten Sie von einem Satz oder Satzteil in den nächsten über und halten das Leserinteresse aufrecht: etwa mit Aufzählungen (erstens – zweitens – drittens), Illustrierungen (etwa, beispielsweise), Gegensätzen (jedoch, während), Begründungen (denn, weil) oder Schlussfolgerungen (also, daher, folglich).

Subtile Leseransprache mit verschiedenen „Wir“-Formen

Sie können auch das pädagogische „Wir“ verwenden. Dabei führen Sie die Lesenden ohne direkte Ansprache, also subtiler: „Denken wir hier darüber nach, was wir aus diesem Beispiel lernen können.“ – Doch Achtung: Das kann leicht von oben herab klingen, wie früher beim Arzt: „So, jetzt machen wir uns mal frei.“ Beim gesellschaftlichen „Wir“ ist mit „Wir“ ein Gruppierung von Menschen gemeint: etwa Eltern, die Gesellschaft oder alle Menschen in westlichen Industriestaaten.

Denkanstoß als pdf-Datei: denkanstoss_2016_5_leserfuehrung

Weiterdenken 

Warum bloß wird jedes Buch von Malcolm Gladwell ein Bestseller? Auch deshalb, weil er exzellente Leserführung betreibt, von der wir uns alle was abgucken können. Mein Lieblingsbuch von ihm: „Überflieger – Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht“ (Piper)

Die Bücher meiner geschätzten Kollegin, der Fehmarner Verlegerin und Sachbuchautorin Dr. Beate Forsbach helfen praxisnah beim Bücherschreiben: „Der Traum vom eigenen Buch“ (Forsbach)

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