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Diesmal ganz bodenständig: Ich zeige Ihnen mein Lieblingswerkzeug für konzentriertes Denken. Denn fast alle, die ich kenne, treibt fast schmerzlich die Frage um: Wie kann ich in meinem Alltag noch fokussiert bei einer Sache bleiben? Ohne abzuschweifen, ohne Abgelenktsein? Das geht mit dem „Denkpfad“.

Ideen sind nicht Veras Problem. Auch nicht, diese in digitalen und Papier-Notizbüchern schnell mal runterzuschreiben. Doch wie bekommt sie die Splitter zusammen? „Ich denke meine Ideen nicht mehr bis in die Tiefe zuende. Früher war das meine Stärke“, beschreibt die Fernseh-Journalistin ihr Problem. „Habe ich mir die verdorben, weil ich zu oft zu viele Sachen parallel mache?“ Vera springt auch im Gespräch oft von einem Thema zu einer nächsten Idee. Atemlos wirkt sie dabei. Und wenn sie Texte schreibt, setzt sie Fragmente wie Puzzleteile zusammen. Oft findet sie nicht einmal nachträglich einen Roten Faden.
Mein Fazit nach 20 Jahren Schreibcoaching: Heute formulieren die meisten einzelne Gedanken lässig und schnell. Zwei Jahrzehnte der Online-Kommunikation, vor allem mit E-Mails, haben uns dafür fit gemacht. Das Problem ist ein anderes: Wir denken, reden und schreiben sprunghafter und flüchtiger. Das ist naheliegend, wenn wir beim Surfen sekundenschnell weiterklicken und wenn wir mit ständigen Unterbrechungen arbeiten: Die Hälfte aller Mitarbeiter in deutschen Unternehmen fühlt sich heute häufig in ihrer Arbeit gestört – doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Alle drei Minuten sind Mitarbeiter in amerikanischen Unternehmen durch E-Mails, Anrufe und persönliche Ansprache abgelenkt. Alle drei Minuten!

Wie können wir uns dennoch das tiefgehende, konzentrierte und komplexe Denken bewahren? Ich habe im Rahmen meines Schreibdenken-Ansatzes dafür den „Denkpfad“ entwickelt. Damit visualisieren Sie ihre Denkstruktur und bereiten unkompliziert Ihren Text, Ihre Rede, Ihr Gespräch vor.

Der schöne Nebeneffekt: Wenn Sie durchdacht argumentieren und komplexe Gedanken verständlich rüberbringen, so wirken Sie auf andere automatisch intelligent und klar. Sind Sie ja dann auch. Sie brauchen dafür nur Stift & Papier oder ein digitales Zeichenwerkzeug, denn Sie arbeiten handschriftlich. Also, der Denkpfad:

Wenden Sie sich von der Außenwelt ab und Ihrer Gedankenwelt zu: Denken Sie an das, wozu Sie gleich schreiben wollen – das Statement, eine Gehaltsverhandlung, das nächste Buchkapitel, eine Vortragsrede. Was sind die Hauptpunkte? Wo wollen Sie hin?

  • Notieren Sie nun Wegweiser. Wie bei einem Parcours. Das geht so:
  • Schreiben Sie das erste  Wort – oder ein paar gruppierte Wörter – Ihres Gedankengangs auf.
  • Umranden Sie diesen ersten Wegweiser und ziehen Sie eine Linie.
  • Notieren Sie daran anschließend den nächsten Gedankensplitter, der aus dem ersten folgt.
  • Umranden Sie ihn wieder. Nächste Linie. Wieder ein Wegweiser. Umranden. Linie. Usw.
  • Fahren Sie damit zügig fort, bis Sie Ihren Gedankengang Schritt für Schritt vorangedacht haben.

Resultat: Sie sind gedanklich weiter und Sie haben eine Vorlage, die Sie als Roten Faden nutzen können.

Die Fernsehjournalistin hat damit tatsächlich ihr Denken diszipliniert und schätzt, dass sie 60 Prozent Zeit spart. Ihre Notizbücher sehen zwar kryptisch aus, weil sie weniger ausformuliert. Sie selbst findet sich umso besser zurecht, notiert statt fünf Seiten nur noch eine und bereitet ihre Reportagen in der Hälfte der Zeit vor.

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