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Was tun wir mit dem riesigen Schatz unseres Denkens? Seinen Körper zu trainieren ist normal. Aber sich im konzentrierten Denken zu üben, etwa mit täglichen fünf Minuten? Nicht für alle passen die klassischen Wege der Fokussierung wie Meditation oder Kontemplation. Weil unser Leben zu laut brodelt. Weil viele von uns Macher, keine Lasser sind. Lernen Sie eine geniale Methode kennen, die Ihnen hilft, konzentriert und kreativ zu denken. Inspiriert. Fokussiert. Mitten im Lärm und Tempo der Welt.

Schon eine Stunde Surfen im Internet verändert die Art, wie wir denken, schreibt der Sachbuchautor Nicholas Carr. Ich lese weiter: Längst sind wir durch den täglich geübten Surfmodus Meister der visuellen Wahrnehmung: Schnell wie der Blitz erfassen wir kurze Texte, Bilder, den Gesamteindruck. Eine großartige Fähigkeit. Doch dieser Surfmodus hat seinen Preis: Online lesen wir zerstreuter, denken oberflächlicher, lernen schlechter, erinnern uns schwächer. Physiologisch nachweisbar. Denn unser Gehirn ist neuroplastisch: Es verändert seine Nervenbahnen und Funktionen je nach Anforderung, und das lässt sich inzwischen ziemlich gut messen. Die meisten von uns üben also täglich die kaleidoskopartige Zerstreuung – und verlernen darüber die konzentrierte Fokussierung. Weil wir nicht gleichzeitig blitzartig und gründlich denken können. Dann eben mal so, mal so? Leider nein. Der Sog, von Bild zu Text zu Film zu springen, wird mit jeder Wiederholung mächtiger. Die neuronalen Verbindungen, die das fokussierte Denken unterstützen, werden schwächer. Mit der Zeit verfolgen wir unsere Gedanken immer weniger bis in die Tiefe.

Was können wir tun, um weiterhin auf verschiedene Arten zu denken? Um das Tiefgründige zu bewahren oder neu zu entwickeln? Bei Carr lese ich, dass sich schon nach fünf Tagen mit je einer Stunde Internetnutzung eine bestimmte Region der Gehirnrinde vollkommen neu strukturiert. Ebenso sind aber auch andere Strukturierungen möglich. Ich habe eine Denkmethode für Sie, die eine Gegenbewegung zum zerstreuten Online-Denken darstellt. Sie heißt „Schreibdenken“, beim Schreiben weiter denken. Komplex und umfassend denken. Fokussiert und konzentriert. So können Sie Schreiben als dritte Denkform neben dem Denken im Kopf und dem Denken im inspirierten Gespräch nutzen. Erst heute erlangt das Schreibdenken, wie ich es genannt habe, seine besondere Relevanz: Eben weil das fokussierte Denken im Kopf oft nicht mehr geht. Weil konzentrierte Gesprächspartner zunehmend rar sind. Und weil inzwischen mehr darauf geachtet wird, dass das Weiterdenken im Gespräch für viele Introvertierte nicht passt.

Wie Schreibdenken geht? Ich habe viele Techniken gesammelt, weiter- und neu entwickelt. Hier lernen Sie eine Basis kennen, mit der Sie an Ihre persönliche Art zu denken anknüpfen können.
1. Überlegen Sie, in welcher Form Sie denken: in Stichworten, in vollständigen Sätzen? In inneren Bildern?
2. Bilden Sie diese Denkform schriftlich ab. Also: Schreiben Sie Ihre innere Sprache in Form von Sätzen oder Stichworten auf. Oder entwerfen Sie schnelle „Denkskizzen“, indem Sie Bilder skizzieren und durch Text ergänzen, wie es viele große Vordenker gemacht haben und machen.
3. Wenden Sie dafür die Schreibdenk-Regeln an: Nicht innehalten. Nicht zensieren. Nicht auf das neu Entstandene achten. So schnell wie möglich. In dem Bewusstsein, dass niemand außer Ihnen das Resultat sieht.
4. Machen Sie das öfter – am besten täglich fünf Minuten.

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